Berlin-Stettin im Schneckentempo, MOZ-Artikel

Veröffentlicht am 29.08.2012 in Ortsverein

Olaf Theiß

Angermünde (MOZ) Die Angermünder Stadtverordneten fordern mit Nachdruck den Ausbau der Eisenbahnstrecke Berlin-Stettin. Angermünde sei als Verkehrsknotenpunkt der Uckermark zwischen den beiden Großstädten besonders betroffen.

"Die Dampflok fuhr vor 100 Jahren mit 120 Stundenkilometern, heute im Zeitalter der Hochtechnologien zuckelt die Bahn mit 50 km/h nach Stettin. Das ist schlichtweg ein Skandal", bringt Olaf Theiß eines der akutesten Infrastrukturprobleme der Region auf den Punkt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende begründet so auch seinen Antrag, den er in die Angermünder Stadtverordnetenversammlung eingebracht hat. Wie bereits andere Kommunen, zum Beispiel Schwedt und das Amt Gartz , aber auch die Kreistage Uckermark und Barnim, will sich nun auch Angermünde nachdrücklich für den Ausbau der Lebensader zwischen den Metropolen starkmachen und den politischen Druck auf die Entscheidungsträger erhöhen.

Der Bedarf ist da. Vor allem durch die Arbeitnehmerfreizügigkeit fahren immer mehr Pendler zwischen Berlin und Stettin hin und her. Auch der Tourismus in der Grenzregion ist im Kommen. Und Stettin ist für viele Uckermärker und Berliner eine beliebte Einkaufs- und auch Kulturmetropole geworden, umgekehrt zieht es immer mehr Stettiner auch zum Arbeiten und Wohnen über die Grenze. Mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens Berlin-Schönefeld 2013 würde der Bedarf noch weiter steigen, betont Olaf Theiß. Doch die verkehrsmäßige Anbindung sei schlechter als vor 100 Jahren.

Die 1843 eröffnete Bahnstrecke Berlin-Stettin war seit 1873 zweigleisig befahrbar. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zweite Gleis als Teil von Reparationsleistungen an die Sowjetunion abgebaut. An dem Zustand hat sich seitdem nicht viel geändert. Zwar ist der Abschnitt von Berlin bis Passow seit 1985 wieder zweigleisig befahrbar und elektrifiziert worden. Doch dahinter ist Schluss. Nur auf einer Spur und nur mit Dieselloks können die Züge im Schneckentempo bis nach Stettin (Gumience) zuckeln. Hinzu kommt, dass nur noch maximal zwei durchgehende Züge am Tag in jede Richtung verkehren. Für die 138 Kilometer zwischen Berlin und Stettin brauchen sie zwei Stunden! Ansonsten ist mühsames Umsteigen in Angermünde und viel Wartezeit angesagt. Das sei eine erhebliche Infrastrukturlücke und angesichts der angestrebten Energiewende und vor dem Hintergrund steigender Benzinpreise nicht mehr hinnehmbar, so Olaf Theiß als Einreicher des Protestschreibens. Für den Personenverkehr sei die Bahnverbindung äußerst unattraktiv. Betroffen ist davon nicht nur der deutsch-polnische Reiseverkehr, auch viele Berufspendler und Schüler aus Tantow, die den Zug nutzen, um nach Angermünde oder in Richtung Berlin zu kommen, leiden unter dem katastrophalen Bahnanschluss.

Im Hauptausschuss der Angermünder SVV fand der Antrag ungeteilte Zustimmung und wird nun der Stadtverordnetenversammlung zur Verabschiedung an die Landesregierung und den Bundestag vorgelegt. Gefordert wird der komplette zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke.

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